twenty-something-regression

alive

Kennt ihr das Gefühl, bei dem sich die Knochen wie ausgekaute Kaugummis anfühlen und man sein Gehirn als Flummi benutzen will? Das in der Sekunde auf der Matte steht, wenn du kurz guckst, wieviele Follower dein Lieblingstwitteraccount gerade hat. Wenn dir einfällt, dass du mal wieder Oma besuchen solltest. Und wenn jemand was wirklich total nettes zu dir sagt, das du wirklich total gern annehmen würdest.

Es ist eigentlich mehr ein Gähnfühl, weil es irgendwie dafür sorgt, dass ich an mir runtergucke und davon direkt müde werde. Müde genug, um mich erstmal ein lockeres Stündchen hinlegen zu wollen. Am besten auf Asphalt. In der Mitte einer Autobahn. Und mit einem Hello-Kitty-Schleifchen im Haar.

Ich nenne es „twenty-something-regression“. Erstens, weil es meinen Geisteszustand der letzten 3 Jahre beschreibt und zweitens, weil es jede ehrliche Motivation für irgendwas exekutiert, das ich in den nächsten 3 Jahren vielleicht mal hätte erreichen wollen. Es ist ein Gefühl, das ich als Ausrede benutze. Ich möchte mich nicht über diesen zerbrechlichen Porzellantellerrand namens „Versagensangst“ hinauswagen. Schließlich habe ich die zynischen, selbstgerechten Leckereien darauf gerade mal ein bisschen mit der Gabel angestupst.

Diese Form der Regression beschreibt für mich ein bisschen das Lebensgefühl meiner Generation. „Hätten meine Eltern mich doch nur ins Ballett/ den Geigenunterricht/ den Fußballverein geprügelt“ ist der Refrain dieses Songs. Weil wir nicht selbst dafür verantwortlich sein wollen etwas hinzukriegen. Man könnte ja scheitern und dann landet man nie auf diesem Youtubekanal oder in der Spiegel-Bestsellerliste. Je größer der Traum, desto großartiger die Ausreden. Eigenverantwortlichkeit ist abschreckender als Lungenkrebsbildchen auf Kippenschachteln. Jede Werbung zielt darauf ab, uns zu zeigen dass wir mit dem Produkt auf jeden Fall genug falsch machen werden, um dadurch kurz den Kopf aus- und das Feuerwerk im Stammhirn einschalten zu können.

Diese blinde Angst davor, so richtig erwachsen zu sein und für all sein Versagen einstehen zu müssen ist nicht nur meine. Das ist mir irgendwie klar geworden, seit immer die Songs und Filme, die das Thema aufgreifen auch die absoluten Hits werden. Während wir auf Ereignisse in unseren Leben zu rennen, nach denen wir nie mehr dieselben sein werden, versuchen wir unterwegs möglichst oft hinzufallen um nochmal kurz durchatmen zu können. Am lautesten lachen wir über die Witze, die kurz unser Hirn auspusten. Die uns unsere soziale Verantwortung vergessen lassen. Die so übel sind, dass uns vor Scham die Tränen in die Augen steigen. Ich veröffentliche Amazonwunschlisten. Ich flirte mit Typen im Alter meines Vaters. Ich weine beinahe Tränen der Dankbarkeit, wenn mir jemand die Jacke abnimmt. Und solange ich mich analysiere und dabei herausfinde, dass das alles nicht meine Schuld ist, sondern die der Eltern, der Medien und natürlich Hollywood(!!!), solange wird das auch so bleiben. Solange suche ich nach allem, das mich dazu zwingt, mich hinzulegen und nicht zu denken. Wenn nötig mit Gewalt.

…ihr auch?

  • wenn ihr wisst, was ich meine, und mir verraten wollt, in welchem Maß ihr es okay oder nicht okay findet, seine twenty-something-überforderung ein wenig zu kompensieren: schreibt einen kommentar. dann bekomme ich immerhin mit, dass jemand den quatsch gelesen hat.
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4 Gedanken zu “twenty-something-regression

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